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Auto-Salon Genf: Aufwind für Autogas in der Schweiz

„Wo sind die Elektroautos?“ Diese Frage stellten höchstens ein paar aufmerksame Journalistenvertreter beim Besuch des 83. Internationalen Auto-Salons in Genf Anfang März, denn die 690.000 Messebesucher, die an den elf Tagen auf dem Genfer Expo-Gelände die Neuvorstellungen der Automobilhersteller inspizierten, schienen sie nicht zu vermissen. Heimlich still und leise hatte man den noch vor einem Jahr so hochgelobten „Salon Vert“, eine Sonderausstellung für alternativ angetriebene Fahrzeuge mit Schwerpunkt e-mobility „einschlafen“ lassen und kaum jemand hatte es bemerkt. Statt dessen konnten sich die Schweizer Autofahrer am Themenstand Autogas darüber informieren, wie man sofort und ohne irgendwelche Einbußen mit dem Alternativkraftstoff Autogas Kraftstoffkosten sparen kann.

Möglich gemacht wurde der Messeauftritt durch eine Initiative der Webasto Thermo & Comfort Schweiz AG, die sich zusammen mit dem Abstätter Gasanlagen-Importeur ecoengines GmbH, dem niedersächsischen Autogas-Additivspezialisten ERC und der Vitogaz Switzerland AG als führenden Schweizer Flüssiggasversorger entschlossen hatten, einen Themenstand Autogas ins Leben zu rufen, um dem neuen Trend zum umweltfreundlichen Alternativkraftstoff auch in der Schweiz Rechnung zu tragen.
Lange Zeit galt die Schweiz als eine der letzten Bastionen Europas, in denen sich die Autofahrer dem Kraftstoff Autogas zu verweigern schienen, doch durch die Bemühungen der Vitogaz Switzerland AG hat sich die Zahl der Autogas-Tankstellen in der Schweiz in den letzten beiden Jahren mehr als verdoppelt. 57 LPG-Zapfsäulen finden Gasfahrer derzeit bei den Eidgenossen vor, viele davon bereits an den wichtigen Transitrouten. Antonio Villani, zuständig für das Geschäftsfeld Autogas bei Vitogaz: „Wir werden den Ausbau auch in den kommenden Jahren mit der gleichen Intensität weiter voran treiben.“ Das Modell scheint zu funktionieren, denn auch die Zahl der Schweizer Gasfahrer steigt rapide, einige Tankstellen generieren bereits Umsätze, die den deutschen Tankstellen in Nichts nachstehen.

Die Voraussetzungen für Autogas sind in der Schweiz besser denn je: Die Tankstellensituation hat sich entscheidend gebessert, Vitogaz gewährt jedem Autofahrer, der auf Autogas umsteigt, einen Zuschuss in Höhe von zehn kostenlosen Tankgutscheinen und selbst die politischen Rahmenbedingungen stimmen: Automobilimporteure müssen Abgaben für Fahrzeuge mit hohem CO2-Ausstoß zahlen. Da lohnt es sich, bereits ab Werk eine Autogasanlage zu installieren und so den CO2-Ausstoß um 10 bis 15 % zu senken.
Nicht zuletzt deshalb konnte sich der Schweizer Webasto-Ableger, die Webasto Thermo & Comfort Schweiz AG, über mangelndes OEM-Interesse nicht beklagen. Webasto montiert in viele Fahrzeuge bereits ab Werk, bzw. ab PDI-Center Standheizungen und Panoramadächer, zukünftig sollen Autogasanlagen hinzukommen. Nach der hoffentlich erfolgreichen Testphase auf dem zugegeben schwierigen Schweizer Markt ist bereits eine Ausweitung des Konzepts „Autogas-Hybrid by Webasto“  auf andere europäische Märkte denkbar, wie ein Webasto-Sprecher mitteilte. Derzeit fährt man zweigleisig und setzt sowohl auf das OEM-Geschäft als auch auf die Umrüstung von Bestandsfahrzeugen. An insgesamt sechs Standorten in der Schweiz können Autofahrer ihre Fahrzeuge auf Gas in Webasto-Qualität umrüsten lassen.

Die Schweizer Autogas-Offensive war im Bereich der alternativen Antriebe wohl der bemerkenswerteste Höhepunkt einer Messe, die zeigte, dass der Hype um die Elektromobilität eine Blase war, die an der Realität im Straßenverkehr zerplatzte. Zu geringe Speicherkapazitäten und zu hohe Preise für Neufahrzeuge bei begrenzter Alltagstauglichkeit beförderten die Befürworter dieser Nischentechnologie zurück auf den Boden der Tatsachen. Geht man davon aus, dass in Genf die Weichen für das Autojahr gestellt werden, dürfte mit dem Aus für den Salon Vert auch das Schicksal der E-Mobilität besiegelt sein. Autogas indes hat sich europaweit etabliert und ist an den Tankstellen nicht mehr wegzudenken. Die Erkenntnis, dass man damit die Klimaziele der EU kostengünstig realisieren kann, setzt sich bei den Verbrauchern immer mehr durch. Kein Wunder, denn der spart und schont die Umwelt gleichermaßen, was man von anderen Energieträgern nur bedingt behaupten kann.

Autor: W. Kröger

07.05.2013
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