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Autogas fährt positives Ergebnis ein: ADAC befragte Fahrer von Autogas-Fahrzeugen

Auf Deutschlands Straßen sind inzwischen rund eine halbe Million Autogas-Fahrzeuge unterwegs, Tendenz weiter steigend. Während sich die Preisspirale für Benzin und Diesel kontinuierlich nach oben drehte, gingen viele Autofahrer auf die Suche nach günstigen Alternativen. Die niedrigeren Autogaspreise plus überzeugende ökologische Argumente überzeugen immer mehr wechselbereite Autofahrer. Die aktuellen Zahlen des Kraftfahrbundesamt (KBA) belegen diesen Trend: Zum Stichtag 1. Januar 2013 zählte das KBA 494.777 Fahrzeuge mit Autogas-Antrieb. Andere Antriebsalternativen sind im aktuellen KBA-Bericht auf Deutschlands Straßen deutlich seltener präsent: so waren lediglich 76.284 Neuwagen mit Erdgas-Antrieb, 64.995 mit Hybrid-Antrieb und 7.114 Elektro-Fahrzeuge unterwegs.
Das große Interesse der Autofahrer für den alternativen Kraftstoff Autogas und den dazu notwendigen Antrieb veranlasste den ADAC dazu, eine Umfrage unter Autogas-Fahrern zu starten. Nachgefragt wurde unter anderem, welche Automarken wann nachgerüstet wurden, wie alt das Fahrzeug zum Zeitpunkt der Nachrüstung war, wo und von wem nachgerüstet wurde und wie zufrieden sie mit der alternativen Antriebstechnik Autogas sind.
Dazu erhielt der ADAC im Zeitraum April bis August 2012 nach eigenen Angaben 4.319 verwertbare Antworten. Diese Umfrageergebnisse zeichnen ein durchweg positives Bild vom alternativen Kraftstoff Autogas: die überwiegende Mehrheit der Umfrageteilnehmer ist mit der Autogas-Nachrüstung sowie der täglichen Nutzung ihres Fahrzeuges zufrieden und würde sich zukünftig wieder für ein Autogasfahrzeug entscheiden.

Nachrüstungen bei nahezu allen Automarken

Die stark angestiegenen Kraftstoffpreise lösten ab 2005 einen Nachfrageboom nach Autogas aus, dessen Höhepunkt 2008 erreicht wurde. Über ein Viertel (28 %) der Umfrageteilnehmer stiegen schon damals auf Autogas-Antrieb um. In den Folgejahren ging die Nachfrage etwas zurück (2009: 12,2 %, 2010:10,4 %), erhöhte sich jedoch in 2011 wieder (15,4%).
War die Entscheidung zugunsten von Autogas gefallen, ließen nahezu alle Befragten ihr Fahrzeug mit einer Autogasanlage nachrüsten (92 Prozent). Die meisten Bestandsfahrzeuge wurden schon kurz nach dem Kauf im ersten und zweiten Jahr mit Autogasantrieb ausgerüstet (31 Prozent). Dies war jedoch kein Privileg neuerer Fahrzeuge – ganze 30 Prozent wurden erst im Alter von fünf bis zehn Jahren nachgerüstet, 12 Prozent waren sogar älter als zehn Jahre.
Breit aufgestellt sind auch die umgerüsteten Automarken: von Alfa Romeo bis Volkswagen waren nahezu alle bekannten Hersteller vertreten, wobei Besitzer von Marken wie Opel (13,8%), VW (9,5%), Mercedes (9,2%) und BMW (8,4%) die meisten Rückmeldungen gaben.

Auswahl der Umrüstbetriebe

Die Entscheidung für eine Autogas-Nachrüstung bedeutet bei der überwiegenden Mehrheit der Umfrageteilnehmer, ihren Wagen in Deutschland umrüsten zu lassen (94 Prozent). Wer Angebote im Ausland wahrnehmen wollte, entschied sich zum größten Teil für Werkstätten in Polen (43,2 Prozent) oder fuhr sein Fahrzeug zu einem Umrüstbetrieb in den Niederlanden (40 Prozent).
Die Wahl des Umrüstbetriebs erfolgte meist auf Empfehlung (30 Prozent) oder nach eigener Recherche im Internet (28 Prozent). Für die Mehrzahl der Autofahrer fiel die Wahl auf einen qualifizierten Umrüstbetrieb. Eine nicht zu vernachlässigende Zahl von Teilnehmern (11 %) hatte jedoch auf die Frage, ob sie ihr Auto von einem qualifizierte Fachbetrieb umrüsten ließen, keine Antwort - sie wussten nicht, ob ihr Ausrüster ein Fachbetrieb war. Dieses Informationsdefizit wiederholt sich laut ADAC auch in anderen wichtigen Bereichen. So sei das mangelnde Wissen einiger Umfrageteilnehmer hinsichtlich Anlagentypen (16 %), Nutzung eines Additvsystems (13 %) sowie Details zur ECE-R-115-Genehmigung (37%) der in den Fahrzeugen verbauten Autogasanlagen  auffällig. Kritisch ist dieses mangelnde Wissen insbesondere beim Additivsystem, das zum Ventilschutz installiert wird und regelmäßig nachgefüllt werden muss. Diese Umfrageergebnisse zeigen deutlich, dass die Umrüstbetriebe sowohl die Beratung vor als auch die Einweisung nach Einbau der Autogasanlage vernachlässigt haben. Nach Ansicht des ADAC besteht hier noch Verbesserungspotential.
Auf die Frage nach den Umrüstkosten ergab sich ein Kostenspektrum zwischen 1.000 bis 3.000 Euro. So nannten 45 Prozent der Teilnehmer Kosten zwischen 2.001 und 2.500 Euro. 22 Prozent der Autogas-Fahrer hatten etwas höhere Preise zwischen 2.501 und 3.000 bezahlt, andere 22 Prozent gaben Kosten von 1.001 bis 2.000 Euro an.

Wartung und Reparaturen

Mit Reparaturen an der Gasanlage ihres Fahrzeuges hatte schon fast die Hälfte der Befragten (49,1%) Erfahrung gemacht, wobei es sich hier meist um Einstellungsarbeiten wie z. B. der Nachjustierung der Gasanlage (57,7%) oder das Aufspielen von Software-Updates handelte. Reparaturen am Tanksystem (25,7%) oder am Einspritzsystem (23,9%) kamen jedoch auch relativ oft vor. Wenn es um die Wartung oder Reparaturen am Autogasantrieb geht, entscheidet sich die überwiegende Mehrheit der Umfrageteilnehmer (91,3%) für Vertragswerkstätten oder freie Werkstätten.
Immerhin 42 Prozent der Umfrageteilnehmer stellten Auffälligkeiten und Unterschiede im Autogasbetrieb im Vergleich zum Benzinbetrieb fest. Erwähnt wurde hier die geringere Motorleistung im oberen Drehzahlbereich, unter Last oder Bergfahrten. Auch der Mehrverbrauch im Autogasbetrieb wurde thematisiert. Er wird von rund 40 Prozent der Teilnehmer mit 10 bis 20 Prozent beziffert.

Offensichtlich überwiegen jedoch die vielen Vorteile von Autogas-Fahrzeugen: 88 Prozent der Umfrageteilnehmer stehen weiterhin zu ihrer Wahl und würden sich beim nächsten Fahrzeug wieder für Autogas entscheiden. Lediglich 10 Prozent geben an, sie würden kein Autogasfahrzeug mehr wählen. Von dieser Gruppe bevorzugt die Mehrheit (60,9%) den Kauf eines Dieselantriebs oder einen Hybridantrieb (11%). Mit dem bestehenden Tankstellennetz zeigt sich die große Mehrheit der Autogas-Fahrer zufrieden (81,5%). Das liegt vor allem daran, dass beim Großteil (94,6%) die nächstgelegene Autogastankstelle nicht mehr als 10 Kilometer vom Wohnort entfernt liegt.

07.05.2013
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