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Gas-Show Warschau: Diesel-Autogas-Mischbetrieb als Zukunftstrend

Besucher, die sich in diesem Jahr auf den Weg nach Warschau machten, um die europäische Leitmesse in Sachen Autogas - die Gas-Show - zu besuchen, erlebten eine Überraschung: Diesel-Mischbetrieb avancierte zum beherrschenden Thema der Ausstellung im Warschauer Expo-Center, es gab keinen Aussteller, der nicht entsprechende Lösungen in seinem Programm präsentierte. Um diese Entwicklung zu untermauern, wurden die Besucher gleich „standesgemäß“ mit einer ganzen Heerschau von Fahrzeugen, die auf Mischbetrieb (Diesel/Autogas) umgerüstet waren, im Außenbereich empfangen. Ob leichte Nutzfahrzeuge, LKW oder sogar Traktoren, die Gasanlagenhersteller bieten reihenweise Möglichkeiten an, teuren Diesel durch preiswertes Autogas zu ersetzen.

KME, Elpigaz, AC, Oscar, Auto-Gaz Centrum, Prins, LPGtech oder sogar Lovato, alle zeigten überaus interessierten Besuchern die nicht mehr ganz neue Technologie, die aber in den vergangenen Jahren entsprechend weiter entwickelt wurde. Bis zu 50 Prozent des Dieselkraftstoffs sollen die Prototypen durch Autogas substituieren, was bei den hohen Laufleistungen der überwiegend gewerblich genutzten Fahrzeuge sich durchaus positiv auf der Kostenseite bemerkbar macht. Nutznießer dieser Technologie sind in erster Linie Fuhrparkbetreiber osteuropäischer Staaten. Lediglich in Belgien und Italien (Diesel/Methan) ist Mischbetrieb mittlerweile legalisiert, in den anderen EU-Staaten können die Fahrzeuge wegen gesetzlicher Vorbehalte noch nicht weiterentwickelt werden.

Besonderes aufmerksam sollte man zwei Projekte des polnischen Marktführers AC verfolgen: Das Unternehmen aus Bialystok hat derzeit eine Testflotte von mehr als zehn leichten Nutzfahrzeugen auf der Straße, um damit für die Entwicklung praxisnahe Erfahrungen zu sammeln. Außerdem kooperiert es mit dem polnischen Traktorenhersteller Pronar bei der Umrüstung von landwirtschaftlichen Maschinen auf Mischbetrieb. AC-Marketingleiter Wojciech Pietarski: „Die Nachfrage nach solchen Lösungen erreicht uns derzeit nicht nur aus Europa, sondern aus fast allen Teilen der Welt. Wir werden erste Anlagen, die bereits serienreif sind, weiter entwickeln.“ Daran beteiligt ist auch der deutsche AC-Generalimporteur Femitec, der gemeinsam mit den AC-Technikern den Grundstein dazu gelegt hat.

Neben dem Mischbetrieb präsentierten unter anderem Prins, Vialle und BRC entsprechende Direkteinspritzer-Lösungen, bei denen das Gas in der Flüssigphase direkt in den Brennraum injiziert wird. Während Prins derzeit schon umrüstet, ist man bei BRC gerade dabei, eine Fertigungsstraße für die Serienproduktion aufzubauen. Der zum Fuel Systems Solutions-Konzern gehörende Gasanlagenhersteller hofft ebenso wie die FSS-Töchter Zavoli und Gfi auf eine Markteinführung in der zweiten Hälfte dieses Jahres. Ob sich die Anlagen jedoch letztlich gegen die klassische Saugrohr-Einspritzung durchsetzen, bleibt abzuwarten. Ein hoher Preis, komplizierte Technik und problematische Garantiefragen wegen der Nutzung des fahrzeugeigenen Kraftstoffsystems sind derzeit die größten Hemmnisse auf dem Weg zu einer weiteren Verbreitung.
Herumgesprochen hat sich mittlerweile auch, dass Additive, die dem Motor richtig dosiert über eine Additivierungsanlage zugegeben werden, den drohenden Motorschäden insbesondere bei den sogenannten „Weichventilern“ entgegen wirken. Die Dosierung der Additive wurde weiter verbessert, Aussteller wir ERC präsentierten Lösungen und Testergebnisse, die diese These untermauern. Von der Split-Fuel-Technologie, bei der geringe Benzinmengen den Ventilschutz gewährleisten sollen, haben sich die meisten Hersteller und Importeure von Gasanlagen mittlerweile verabschiedet.

Die Botschaft, die von Warschau ausgeht, ist eindeutig: Autogas hat nichts von seiner Attraktivität eingebüßt, ein neuer Besucherrekord der Messe zeigt, wie wichtig der Alternativkraftstoff jetzt und in Zukunft sein wird. Dass man künftig auch noch Dieselfahrzeuge zumindest zum Teil mit LPG betreiben kann, ist die logische Konsequenz aus den hohen Dieselpreisen sowie dem Kostendruck der Transportunternehmen.  Bleibt nur zu hoffen, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen auch in Westeuropa so schnell wie möglich geschaffen werden.

Autor: W. Kröger

07.05.2013
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