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Unkonventionelles Gas und ÖL verändern die Welt-Energiemärkte – auch für Flüssiggas

Grundlagen für das Funktionieren unserer entwickelten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft ist die sichere Verfügbarkeit bezahlbarer Energie. Umwelt- und Klimaschutzfragen sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie eine ausgewogene Versorgung mit den konventionellen Energieträgern. Eine Zielerreichung von 20 % erneuerbaren Energien bedeutet eben im Umkehrschluss auch eine sichere Versorgung mit 80 % konventionellen Energieträgern. Der Trend zu mehr erneuerbaren Energien ist dabei nicht nur richtig und konsequent, sondern auch unumkehrbar.

Die wichtigsten ökologischen und ökonomischen Entwicklungen in der Energiewirtschaft finden jedoch aktuell im Bereich der fossilen Energieträger statt. Erdgas aus unkonventionellen Quellen und verflüssigtes Erdgas (LNG) führen insbesondere in Nordamerika zu erheblichen Veränderungen in der Energiewirtschaft mit Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte.

Was aber haben diese Veränderungen mit Flüssiggas (LPG) zu tun?
Gerade mit der Erdgas-Revolution geht auch eine Revolution für den Flüssiggasmarkt einher. Allein auf der Seite der LPG-Verfügbarkeit finden enorme Verschiebungen statt. Noch vor drei Jahren mussten die USA Flüssiggas importieren, um inländische Nachfrage befriedigen zu können. Heutzutage hat sich die Situation derart geändert, dass die inländische Produktion die Nachfrage deutlich übersteigt, wobei die Exportsteigerung durch die Produktionskapazität begrenzt wird. Bereits in den Jahren 2005 bis 2011 stieg die Gesamtproduktion von Flüssiggas als Nebenprodukt der Erdgasgewinnung und aus den Raffinerien um über 11 % von 25,3 Mio t auf  28,2 Mio t an.

Hauptursache für diesen Zuwachs ist die Verfügbarkeit von Flüssiggas aus der amerikanischen Erdgasproduktion, die von 15,7 Mio t im Jahr 2005 (dem niedrigste Niveau seit 1991) sich auf 19,8 Mio t im Jahr 2011 erhöhte. Die ist ein Anstieg um 26 % mehr Flüssiggas, das rein gasseitig gewonnen wird. Im Jahr 2012 produzierten die USA insgesamt etwa 30,7 Milliarden Liter Flüssiggas, darunter fast 22,5 Milliarden Liter LPG aus der Erdgas-Produktion. Das heißt, dass in den USA inzwischen etwa 72 % der gesamten Flüssiggasmenge als Nebenprodukt der Erdgasproduktion mit gewonnen werden.

Dieser enorme Anstieg in der Verfügbarkeit bleibt natürlich nicht ohne Einfluss auf die Flüssiggas-Handelsbilanz Nordamerikas. Noch im Jahr 2005 musste die USA mehr als 20 Prozent ihres gesamten Flüssiggas Bedarfs importieren. 2011 hatte sich diese Situation völlig verändert und die USA wurden Netto-Exporteur für Flüssiggas mit einer Netto-Exportmenge von 3,9 Mio t. 2012 stiegt diese bereits um weitere 36 % auf insgesamt 5,3 Mio t.

Die massiven Veränderungen der Herkunft von Flüssiggas in den USA wirft auch die Frage nach der korrekten Eingruppierung von Flüssiggas in der Energierohstoffe- und Wirtschaftsstatistik auf. In der klassischen Eingruppierung wird Flüssiggas als Begleitprodukt der Erdölgewinnung und Raffination gesehen. Wenn heutzutage jedoch mehr als 70 Prozent der gesamten US-Flüssiggasversorgung als Nebenprodukt bei der inländischen Erdgasproduktion anfallen, ist hier über eine Veränderung dieser Eingruppierung ernsthaft nachzudenken.

Im Gegenzug bleibt der Ausblick für die Verfügbarkeit von Flüssiggas aus Raffinerien weitern tendenziell rückläufig. Dies geht einher mit Raffineriestilllegungen einerseits sowie einer Neuausrichtung von Raffinerien auf Diesel-und Destillat-Produktion bei gleichzeitiger Reduzierung des LPG-Anfalls andererseits.

ICF prognostiziert für Nordamerika eine Flüssiggasproduktion als Nebenprodukt der Ergasgewinnung von 27,4 Mio t pro Jahr im Jahr 2012 auf 31,9 Mio t pro Jahr erhöhen in 2015 und 37,1 Mio t pro Jahr bis 2020. Dies bedeutet eine weitere Steigerung der Flüssiggasverfügbarkeit gegenüber der heute verfügbaren Menge in Nordamerika von zusätzlich 33 %.

Diese zunehmend positiven Aussichten für die amerikanische Flüssiggas Versorgung ist vor allem auf die weitere Entwicklung unkonventionellen Erdgas- und Erdölgewinnung zurückzuführen. Der Anstieg der Flüssiggas Produktion aus den Begleitbestandteilen der Erdgasproduktion, den sog. Natural Gas Liquids (NGL) oder Erdgas-Kondensaten wird auch beschleunigt durch eine Verschiebung bei der Ressourcen-Gewinnung weg von „trockenen Erdgas-Ressourcen“ hin zu mehr „nassen Erdgas-Ressourcen“ mit hohem NGL- und damit auch Flüssiggas-Anteil.

Weltweit ist im zurückliegenden die USA mit +4,7% erneut den größten volumetrischen Anstieg bei der Erdgas-Produktion erzielt und blieb der größte Produzent, gefolgt von Norwegen (+12,6%), Katar (+7,8%) und Saudi-Arabien (+11,1%). Russland hatte mit -2,7% hingegen den weltweit größten Rückgang zu verbuchen.

Der komplette Bericht zur Studie kann u. a. über das Internet des „alternative fuel data center“ des „U.S. Department of Energy, Washington DC“ bezogen werden. (http://www.afdc.energy.gov/uploads/publication/2013_Propane_Market_Outlook_1_.pdf).

22.08.2013
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